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Jetzt reiß' dich doch mal zusammen!

Manchen Menschen fällt es einfach leichter als anderen, sich aus schwierigen Situationen wieder aufzurappeln. Sie sind resilienter als andere – und dafür gibt es unterschiedlichste Gründe…


Das Wort Resilienz leitet sich vom lateinischen Wort resilire ab und bedeutet so viel wie zurückspringen. Und das ist es auch, was resiliente Menschen vermögen. In schwierigen und emotional herausfordernden Situationen schaffen sie es, ihre psychische Gesundheit aufrecht zu erhalten oder schnell wieder herzustellen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie Krisen nicht als ebenso schmerzhaft erleben, wie weniger resiliente Menschen. Der Schmerz lähmt sie jedoch nicht.


Resilienz wird oft mit innerer Widerstandskraft gleichgesetzt, was allerdings verleitet zu glauben, resiliente Menschen lassen nie etwas an sich herankommen, sich nie aus der Ruhe bringen. Das stimmt natürlich nicht. Aber: Es passiert ihnen tendenziell eben seltener als weniger resilienten Menschen und zudem schaffen sie es nach einem Tief aus eigener Kraft auch wieder aufzutauchen – sie besitzen das, was man als hohe Selbstwirksamkeit bezeichnet. Ursprünglich geprägt wurde der Begriff der Resilienz in der Materialforschung, um Stoffe zu beschreiben, die sich nach Verformung wieder in ihren Ursprungszustand bewegen – etwa Gummi, oder noch anschaulicher, eine Sprungfeder:


Erfährt diese eine Belastung, wird sie nach unten gedrückt. Nimmt die Belastung wieder ab oder geht komplett zurück, kommt auch die Feder in ihren Normalzustand.


Die Sprungfeder in diesem Vergleich ist also der Mensch, der emotionalen Belastungen ausgesetzt ist. Sobald diese abnehmen, schafft er es wieder, seinen „Normalzustand“ herzustellen. Ebenfalls über das Beispiel der Feder lässt sich aber veranschaulichen: Dauert der Zustand der Belastung zu lange an oder ist er besonders einschneidend (etwa im Falle eines Traumas), wird es auch für resiliente Menschen schwerer, die Belastungen wieder abzuschütteln – die Sprungfeder schafft es nicht mehr in ihren Ursprungszustand zurück, sie hängt durch. Auch sehr resiliente Menschen können also durchaus (etwa bei Burn-Out, Depression etc.) der Hilfe von außen bedürfen, um den Zustand ihrer psychischen Widerstandskraft wieder aufzubauen.


Erstmals mit dem Phänomen der Resilienz beschäftigt hat sich die amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy Werner. Sie führte eine Langzeitstudie durch, in der sie fast 700 Kinder begleitete, von denen ein Drittel unter schwierigeren Vorbedingungen aufwuchs – etwa Armut, Krankheit der Eltern, Vernachlässigung, Gewalt, etc. – als die anderen Kinder der Versuchsgruppe. Von diesem Drittel fielen auch zwei Drittel in ihrem Erwachsenenalter durch psychische Auffälligkeiten, Lernschwächen oder Kriminalität auf. Das letzte Drittel hingegen, zeigte keinerlei Auffälligkeiten, war sozial gut integriert und schulisch erfolgreich. Emmy Werner nannte sie „verletzlich, aber unbesiegbar“ – in einem Wort: Resilient. Als gemeinsamen Nenner bzw. Erklärung für die Resilienz dieser Gruppe fand sie heraus, dass diese Kinder immer eine Bezugsperson hatten, die zu ihnen hielt.


Das unterstreicht den systemischen Zugang, den auch wir im Coaching anwenden, wonach etliche Umstände und das soziale System uns Menschen beeinflussen und wir nicht ein Produkt unserer Geschichte sind (deterministischer Zugang). Dennoch werden ein paar Faktoren erkannt, die manchen Menschen einen resilienten Zugang einfach erleichtern. Einmal Intelligenz, die uns dabei hilft, neue Wege aus schwierigen Situationen zu finden. Zudem fällt es optimistischen Menschen leichter, den Blick positiv in die Zukunft zu richten. Ebenfalls ist es hilfreich, wenn sich ein Mensch leichttut, auf andere Menschen zuzugehen, also eine gewisse Extraversion aufweist, und so soziale Beziehungen eingehen kann.


UND: Resilienz muss auch gefördert, kann erlernt und trainiert werden. So sind etwa auch Konflikte als Chance zu sehen, die eigene Resilienz zu stärken. Entscheidend dabei ist die innere Einstellung und die Überzeugung, sein Leben selbst in der Hand zu haben (wobei wir wieder bei der Selbstwirksamkeit wären).


"Betrachte alle Schwierigkeiten als Möglichkeiten, etwas Neues zu schaffen, zu lernen und an der kreativen Art und Weise, wie du reagierst, zu wachsen." Virginia Satir


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