Sinn – das Wofür im Leben (Teil 1)
- 29. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Apr.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens – selten nimmt man sich die Zeit, sie sich ernsthaft zu stellen. Und doch begleitet sie uns ein Leben lang.
Denn trotz – oder gerade wegen – Wohlstand, Wahlmöglichkeiten und Selbstoptimierung beschreiben immer mehr Menschen das Erleben einer inneren Leere.
Doch statt uns die Frage zu stellen, wofür wir leben, suchen wir viel zu oft nach dem Warum – der Ursache für unangenehme Gefühle, Erlebnisse etc.
Ein österreichischer Neurologe und Psychiater, der die Bedeutung dieses Wofür erkannt und in seiner Existenzanalyse bekannt gemacht hat, war Viktor Frankl.
Ein kurzer Überblick: Die drei Wiener Schulen der Psychotherapie
Wer an österreichische Psychotherapie denkt, denkt meist zuerst an Freud. Sein Menschenbild war geprägt vom Willen zur Lust: Der Mensch als eher abreagierendes, triebgesteuertes Wesen, dessen Psyche aus drei Komponenten (Es, Ich, Über-Ich) besteht.
Alfred Adler, Begründer der 2. Wiener Schule und Schüler Freuds, wandte sich von den Vorstellungen seines Lehrers ab und betrachtete den Menschen als soziales und damit vor allem reagierendes Wesen, als unteilbares Ganzes, eingebettet in seine Umwelt. Der zentrale menschliche Antrieb: der Wille zur Macht – verstanden als Streben nach Geltung, Zugehörigkeit und Überwindung von Minderwertigkeitsgefühlen (z. B. im Vergleich zu Geschwistern).
Viktor Frankl gilt als Vertreter der sogenannten 3. Wiener Schule. Er sagte, nicht der Wille zur Lust, nicht der Wille zur Macht, sondern der Wille zum Sinn treibt uns an. Er definiert den Menschen als agierendes Wesen, fähig zu Eigenverantwortung und freier Stellungnahme – selbst unter widrigsten Umständen.
Wozu lebe ich?
Während Freuds therapeutische Richtung oft als „Tiefenpsychologie“ bezeichnet wird, bei der man tief in sein Inneres eintaucht und biografische Erlebnisse eine große Rolle spielen, ist Frankls Existenzanalyse – oder auch Logotherapie genannt – eher getragen von Zielrichtung, einem „Hin zu“:
Wozu lebe ich?
Wofür stehe ich morgens auf?
Was trägt mich durch mein Leben – auch durch Krisen?
Nicht zufällig wird die Existenzanalyse nach Frankl daher auch als „Höhenpsychologie“ bezeichnet – im Kontrast zu Freuds „Tiefenpsychologie“.
Nicht der eine Sinn – sondern Sinn in Lebenssituationen
Während vielfach vom „Sinn des Lebens“ als große Lebensidee gesprochen wird, ist jener Sinn, der uns im Alltag trägt, doch wesentlich lebensnäher. Vertreter:innen der Existenzanalyse sehen nicht den einen großen Sinn des Lebens. Vielmehr bieten sich in unserem Leben, in jeder Lebenssituation unzählige Sinnquellen, die es zu entdecken gilt, etwa in:
Leistung und Arbeit
Ehrenamtliches Engagement
Beziehung, Nähe und Liebe
Religion, Spiritualität und Glaube
Natur, Musik und Kunst
Im Kampf gegen eine innere Leere sollten wir dem Leben daher mit offenen Augen begegnen und Sinnquellen, die sich uns bieten, entdecken und ausbauen. Immer wieder bewusst aus einem „ich muss noch schnell“ aussteigen und Situationen achtsam wahrnehmen.
Viel Freude damit!




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