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Wer ist schuld? Und warum ist uns das so wichtig?

Gerade in Konflikten fallen sehr oft Sätze wie „Das ist nur deine Schuld“. Aber auch im Alltag wird oft viel Zeit und Energie in die Suche eines Schuldigen investiert. Nur…warum eigentlich?


Wir Menschen haben einen inneren Drang nach klaren Verhältnissen: Einer ist schuld, der andere ist unschuldig. Durch Schuldzuweisungen an andere sprechen wir uns außerdem davon frei, unseren eigenen Anteil an einer Situation (etwa einem Konflikt) reflektieren zu müssen. Und dann ist da noch der Lerneffekt: Wer seine Schuld an etwas erkennt, lernt aus seinen Fehlern. Das mag tatsächlich zutreffen...was aber in den seltensten Fällen notwendig ist, ist die ausschweifende Thematisierung des Fehlverhaltens. Dennoch wird diese, vor allem im Fall unterschiedlicher Machtverhältnisse der Kommunikationspartner (Eltern-Kind / Chef-Mitarbeiter), gerne ausgelebt, indem z.B. Eltern zu ihrem Kind sagen „Ich hab‘ es dir doch gesagt, aber du wolltest ja nicht hören“.


Die meisten Menschen erkennen, wenn sie etwas falsch gemacht haben und lernen daraus. Beziehungsweise, wenn sie es nicht selbst erkennen, wird auch die Schuldzuweisung nichts an ihrer inneren Einstellung ändern. Der vermeintliche Lerneffekt wird höchstens durch ein entstandenes Schamgefühl oder eine hervorgerufene Kränkung einsetzen.


Wer einen Fehler nicht einsieht, kann nur mittels empathischer Einfühlung an eine Einsicht herangeführt werden. Das kostet Zeit, zahlt sich aber aus.

Anstatt darauf zu fokussieren, wer nun an etwas die Schuld trägt, sollten wir lieber darauf vertrauen, dass wir Menschen in der Lage sind, unsere Fehler zu erkennen (gegebenenfalls unterstützt durch wertschätzende Rückmeldung) und daraus zu lernen. Was wir tun sollten, ist die (unumkehrbaren) Umstände, die durch Fehler zustande gekommen sind, zu akzeptieren und konstruktiv nach einer Lösung dafür zu suchen. Anstatt auf die Vergangenheit sollten wir uns also auf die Gegenwart fokussieren (was ist der aktuelle Umstand) und auf die Zukunft (wie kann ich vermeiden, dass der gleiche Fehler in Zukunft wieder passiert).


Wie so oft in der Arbeit mit inneren und äußeren Konflikten, ist also auch dieser Blogbeitrag als Plädoyer dafür zu sehen, den Blick vermehrt nach vorne zu richten anstatt in die Vergangenheit.


Anmerkung: Der rechtliche Umgang mit Schuld ist natürlich anders zu bewerten und soll von diesem Artikel ausgenommen sein.

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